Was die junge Ärzteschaft von Digital Health erwartet – Teil 3

BJÄ Teil 3

Wir hatten die Ehre, Mira & Max vom “Bündnis Junge Ärzte” zu interviewen. Unser Thema: “Was die junge Ärzteschaft von Digital Health erwartet”. In dieser Woche veröffentlichen wir die letzte Frage an die Sprecher des BJÄ, Mira und Max. Wir wollten wissen, was eine App, die die Praxis mit den Patient*innen verbindet, ihrer Meinung nach verbessern kann. 

Mira Faßbach ist im Bereich der Urologie tätig. Max Tischler ist Dermatologe bei den Hautärzten am Markt in Dortmund. Zusammen engagieren sie sich im Bündnis Junge Ärzte ehrenamtlich dafür, dass die Meinungen der jungen Ärzteschaft gehört werden. Das BJÄ ist der größte interdisziplinäre Zusammenschluss junger Mediziner und Medizinerinnen in Deutschland.

 

Was könnte eine App, die die Praxis mit den Patientinnen und Patienten verbindet, deiner Meinung nach verbessern? Siehst du dadurch neben Vorteilen für Patienten auch Verbesserungen für die Praxen, oder auch Kliniken?

 

Antwort von Mira Faßbach

„Das Informationsdefizit 
wird durch eine App für Patientinnen und Patienten definitiv vermieden.”

Was an einer Patientinnen-App toll ist, ist übersichtliches Terminmanagement, Patientinnen-Tracking und die -vorbereitung. 

Patientinnen-Tracking ist vor allem hilfreich, wenn die Patientin noch in der Wartezimmerliste steht und vergessen wurde, dieser etwas mitzugeben; das kann einfach eine Information sein. Auch die Sammlung von Untersuchungsergebnissen, es muss nicht in Karteikarten geblättert werden. Alle Befunde sind zentral zusammen. Das finde ich sehr attraktiv.

Bezüglich Patientinnenvorbereitung ist eine App auch hilfreich. Die Patientin kann sich vorbereiten, wenn sie es möchte. Es gibt solche und solche Patientinnen, und manche sind weniger oder eben mehr interessiert und informiert. Die eine wird Expertin der Krankheit, von dieser kann man sogar selbst noch etwas lernen. So entstehen gute Ideen, Innovation und ein tieferes therapeutisches Gespräch. Die Patientin hat auch ein Recht darauf. Ich muss die Expertin für den Bereich sein und die Patientin informiert sich so weit, wie er oder sie es möchte.

Leider bekommt man auch nicht immer mit, was für Erwartungen oder welches Informationsbedürfnis eine Patientin hat und muss diese Information quasi “abfischen”. Die Patientin ist im Gespräch oft nervös, manche schreiben etwas auf, manche nicht und viele Fragen kommen dann danach. Dann werden diese gegoogelt, was zu schlimmen Informationen führen kann. Daher finde ich gerade wichtig und gut, dass man in die App Informationsblätter und Daten schicken kann. 

Es kann auch sein, dass die Partnerin zu Hause fragt, was bei der Ärztin besprochen wurde und der Patient oder die Patientin kann das nicht beantworten. Ein Informationsdefizit wird auf jeden Fall dadurch vermieden, dass beispielsweise Testergebnisse in der App zur Einsicht vorliegen. Asynchrone Kommunikation findet also durch die App statt.

Papierform das wollen wir – A – alle nicht mehr und – B – Papierchen bleiben liegen, die Partnerin möchte doch etwas nachlesen und dann ist das Papier weg. Da erhoffe ich mir einen großen Benefit. 

Die Generation unserer Eltern nutzen ja auch alle schon Smartphones. Diese Generation wird also auch digitaler. Sogar Großeltern nutzen inzwischen Whatsapp. Und wenn sogar das geht, dann schaffen sie vielleicht auch eine Terminbuchung via App. Barrierefreiheit ist daher ein guter Punkt. 

Barrierefreiheit finde ich hier wichtig, da ältere Menschen wohl eher ein Tablet nutzen, vor allem damit alles gut lesbar ist. Die Verfügbarkeit von Daten für ältere Menschen ist auf jeden Fall auch ein Thema.

Die Verfügbarkeit von Daten und Behandlungsergebnissen ist viel wert. Patientinnen müssen nichts mehr in Papierform mitbringen, eine App kann als Ergänzung zur ePa fungieren. 

Es passieren auf jeden Fall etwas und es werden Dinge in Angriff genommen. An manchen Ecken und Enden hat Corona etwas gebracht, aber manchmal auch nicht. Vieles ist im Corona-Stress untergegangen.

Das Interview mit Mira wurde am 23. März 2021 geführt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die weibliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

 

Antwort von Max Tischler

„Durch eine App oder die ePA, werden Patientinnen und Patienten dazu befähigt, mit der Erkrankung selbst besser umzugehen.”

Also grundsätzlich gibt es ja verschiedene Schritte, die in der Alltagsanwendung in der Praxis sinnvoll sind. Das beginnt bei der Terminvergabe, die gut digital gemacht werden kann. Wo ich vielleicht auch im Vorhinein Informationen, oder auch Kontaktdaten, sammeln und Dokumente zusammenstellen kann.

Das kann sinnvoll sein, wenn klar ist, was die Patientin oder der Patient möchte. Zum Beispiel wissen wir schon, dass diese Person eine Schuppenflechte hat. Ich kann den Patienten dann bitten, Vortherapien digital auszufüllen und eben nicht nur ein weißes Blatt Papier übermitteln, sondern vielleicht eben über eine App oder ein Online-Formular, sodass dort Dinge vorher ausgewählt werden können. Das kann bei der Schuppenflechte dann sein, ob diese Person eine Therapie erhalten hat. Wenn man an Systemtherapie denkt, also Spritzen oder Tabletten, dann gibt es da zwölf verschiedene Therapien. Da ist es vielleicht für den Patienten viel cooler, wenn er nicht mühsam das Ganze in handschriftlicher Form aufschreiben muss, sondern einfach nur anklickt und sagt, welches Medikament hatte ich schon, welches nicht, vielleicht noch dahinter angeben kann, in welchem Jahr, oder Ähnliches. Dass man da einfach weg kommt, von dieser analogen Lösung mit Stift und Papier, dann digitalisiere ich es und stecke es in ein PDF-Dokument. Nein, sondern stattdessen diese Dokumente sinnvoll für den Patienten anwenden. 

Bezüglich Zusammenspiel der Praxis und des Patienten bei Dokumentenübermittlung, da werden wir jetzt auch sehen, was die elektronische Patientenakte so bringt. Inwieweit Praxisapp und eben eine digitale Patientenakte sich verknüpfen oder kombinieren lassen. Aber natürlich ist es sinnvoll, wenn der Patient seine Blutwerte auch selbst hat. Ich finde es auch sinnvoll, wenn bei mir in der Praxis dann gerade die gutartigen Befunde automatisch erstellt werden. Bei den bösartigen Befunden muss man sich natürlich ganz klar überlegen, möchte ich den Patienten kommentarlos ein Dokument in ihr Postfach geben, wo dann drauf steht “schwarzer Hautkrebs”. Also da muss man sich eben auch im Digitalen tatsächlich mit anderen Befunden auseinandersetzen. 

Gerade auch Patienten – es gibt ja nicht mehr so viele – die auch z.B. Marcumar nehmen. In der Hautarztpraxis bezüglich des INR-Werts wissen die Patienten sehr genau, wo ihr Wert sein muss. Warum kann ich das nicht automatisiert schon stellen, da kann der Patient nochmal selbst handeln. So wird dieser auch befähigt, mit seiner Erkrankung besser selbst umzugehen und vielleicht auch verantwortungsvoller in diesem Bereich zu sein. Also ich bin gespannt, was man darüber machen kann. 

Ob jetzt eine Chatfunktion immer perfekt funktioniert, muss man sehen. Da appelliere ich immer daran, dass so etwas an den Ablauf einer Praxis / Klinik angepasst werden muss. Wenn ich jetzt die Klinikärztin oder den Klinikarzt schnell erreichen könnte, ist das schön. Man sich muss aber auch überlegen, wenn alle Ärzte der Niederlassungen, acht Stunden lang versuchen den Klinikarzt zu erreichen, dann hat dieser auch keine Zeit. Das heißt, es muss geschaut werden, habe ich ein Zeitfenster, dass ich bekannt geben kann, wann eben solche Kommunikationswege genutzt werden können, ähnlich der Telefonsprechstunden. Wo ich klar kategorisiere und schaue, wie kann das Ganze strukturiert werden. Man kann sich im Krankenhaus zum Beispiel auch vorstellen, dass es für gewisse Abteilungen gewisse Dienste gibt. Eine Person macht dann vormittags Computerdienst und eine andere nachmittags. Dann kann das auch etwas entspannter sein. Wenn es etabliert wird, dann ist es einfach zu gucken, wo Arbeitskraft dafür da ist.

Das Interview mit Max wurde am 10. Mai 2021 geführt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

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