Was die junge Ärzteschaft von Digital Health erwartet – Teil 1

BJÄ Teil 1

Wir hatten die Ehre, Mira & Max vom “Bündnis Junge Ärzte” zu interviewen. Unser Thema: “Was die junge Ärzteschaft von Digital Health erwartet”. In dieser Woche gibt es die Antwort auf die Frage, was getan werden kann, um junge Ärztinnen und Ärzte besser einzubeziehen und ihre Meinungen besser zu vertreten.

Mira Faßbach ist im Bereich der Urologie tätig. Max Tischler ist Dermatologe bei den Hautärzten am Markt in Dortmund. Zusammen engagieren sie sich im Bündnis Junge Ärzte ehrenamtlich dafür, dass die Meinungen der jungen Ärzteschaft gehört werden. Das BJÄ ist der größte interdisziplinäre Zusammenschluss junger Mediziner und Medizinerinnen in Deutschland. 

 

Was kann getan werden, um die junge Ärzteschaft besser einzubeziehen? Wie kann die junge Ärzteschaft und ihre Meinungen besser vertreten werden?

 

Antwort von Mira Faßbach

„Digitalisierung muss meinen Alltag erleichtern.”

Wichtig ist vor allem, dass wir als junge Ärztinnen in die Diskussion mit einbezogen werden und dass unser Alltag durch Digital Health erleichtert wird. Unser Feedback zu Verbesserungen muss gehört werden, von unternehmerischer Seite sowie IT-Seite. Wir möchten Fragen gestellt bekommen, wie: “Was braucht ihr? Was könnte euren Alltag erleichtern?” Sodass die Produkte, die auf den Markt kommen, einfach letztendlich Sinn ergeben. Es ist immer wichtig, dass ein Produkt abnehmerorientiert entwickelt wird und die Anwenderinnengruppen zufrieden sind – natürlich auch die Patientinnen! 

Aber nicht nur wir jungen Ärztinnen sind wichtig, sondern auch die Kooperation mit der etablierten Ärzteschaft. Junge Ärztinnen sind sowieso Digital Natives und in Digital Health zu Hause. Bezüglich medizinischer Rahmenbedingungen und längerfristigen Entwicklungen, braucht es auch die Meinung der etablierten Ärzteschaft. Denn diese Kolleginnen haben schon länger mit Themen wie Haftungsrecht, Datenschutz und Schweigepflicht zu kämpfen – der Natur unseres Berufes. Wir müssen Patientinnen schützen und dafür sorgen, dass Daten nicht an Dritte weitergegeben werden. Wir müssen Vertrauen in die Anbieterinnen und Hosts haben können, an die wir unsere sensibelsten Daten – nämlich die Patientinnendaten – weitergeben. Die Privatsphäre der Patientenschaft ist wichtig und sie müssen wissen, was mit ihren Daten passiert. 

Max engagiert sich ebenfalls mit dem Spitzenverband dafür, dass wir in die Diskussion offen mit einbezogen werden. Wir wurden bei der Digital Health Week vom HIH eingeladen und konnten dort vor dem interessierten Fachpublikum diskutieren. Auch haben wir eine gute und fruchtbare Kooperation mit der universitären Seite, zum Beispiel mit Sven Meister vom Fraunhofer Institut. Ähnlich wie in anderen medizinischen Bereichen, wo es nicht nur strikt um das Naturwissenschaftliche und Mathematische, sondern auch um die Versorgung aktiv geht, ist es gut, dass wir uns als junge Ärztinnen an einen Tisch setzen. Wir haben ganz verschiedene Berufsschwerpunkte, ganz verschiedene Berufserfahrungen und bringen das dort mit Forscherinnen zusammen – und dabei kommen tolle Ansätze heraus. 

Ich habe schon das Gefühl, dass unser Engagement und unser Interesse an dem Thema, welches wir u.a. durch Interviews, Positionspapiere und kurze Artikel nach außen und auch nach innen in die Verbände tragen, wahrgenommen werden. 

Zusätzlich sind wir nicht die einzigen Jungen, die in unseren Verbänden und Fachgesellschaften aktiv sind. Auch Andere fordern ein, dass der Ruf nach Nutzbarkeit, nach fachspezifischer Unterstützung, nach sinnvoller Digitalisierung lauter wird – nicht nur erhobener Daten, sondern auch im alltäglichen Anwenderbereich. Wenn man weiß, was möglich ist und den Freizeitbereich zum Vergleich heranzieht, ist es zum Teil natürlich etwas frustrierend, wenn manche Sachen im eigenen Beruf noch in Papierform laufen.

Das Interview mit Mira wurde am 23. März 2021 geführt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die weibliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

 

Antwort von Max Tischler

„Die Meinung der jungen Ärzteschaft wird vor allem durch die jungen Berufsverbände und Fachgesellschaften gehört.”

Aktuell ist eine breite Lobby noch nicht vorhanden. Vieles verkompliziert das Engagement junger Ärztinnen und Ärzte: Ausbildung, Studium, vielleicht auch Weiterbildung, die jungen Jahre als Facharzt, Forschungsthemen – sofern man sich da weiter qualifizieren möchte – die Familiengründung,  Praxisgründung, und so weiter. Das alles macht es nicht ganz leicht, denn der Tag hat bekanntlich nur 24 Stunden. 

Dementsprechend braucht es ein Aufeinander-Zugehen beider Seiten. Dafür zu sorgen, dass eben auch die Meinung der jungen Ärzteschaft gehört werden kann, das machen wir im BJÄ vor allem über die ganzen jungen Berufsverbände und Fachgesellschaften. Da ist in den letzten Jahren viel passiert. Es wurden viele Gruppen gegründet; junge Fachverbände, junge Berufsverbände und junge Fachgesellschaften, die mittlerweile in großer Zahl bei uns im BJÄ – mit inzwischen glaube ich 25, bald 26 oder sogar 27 Verbänden – versammelt sind, um dort die Meinung junger Ärzte kund zu tun. 

Das hat dafür gesorgt, dass es in den Verbänden schon eine bessere Sichtbarkeit für junge Ärzte gibt, aber natürlich fehlt es oftmals in Leitungspositionen noch an junger Expertise. Wo es ganz eindeutig fehlt, ist in den Ärztekammern und den kassenärztlichen Vereinigungen, wo Mitglieder gewählt werden und junge Ärzte noch nicht so bekannt sind; da sollte der Wirkungsgrad gewechselt werden. Gerade durch diesen Aspekt ist hier wichtig, niedrigschwellige Zugangswege zu schaffen: sei es in die Gremien, oder Versammlungen, sei es in gewählte Ämter, sofern das möglich ist. Oder zumindest als Kompromiss, der Zugang in einen Arbeitskreis oder ein nicht gewähltes Gremium, das sich dann aber mit den entsprechenden Gremien, Vorständen oder Co., austauscht. Das ist glaube ich immer ohne Aufwand organisierbar und wie ich finde, das Mindestmaß, was da getan werden kann. Damit Themen gehört werden, die junge Ärzte betreffen – die die Zukunft des Gesundheitswesens schlichtweg bestreiten – denn wir sind eben als junge Ärzteschaft die Zukunft. Sodass manche Einschätzungen vielleicht auch mal diskutiert und herausgefordert werden können. 

Es sollte verglichen werden: wie sehen es Berufspolitikerinnen und -politiker und breit gefasst, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die lange Jahre schon dabei sind, im Vergleich zu der jungen spritzigen Alternative, die natürlich nicht immer die Richtige sein muss – das muss ich ganz klar sagen. Auch hier kann es vorkommen, dass zu Projekten, die wir uns ausdenken, etablierte Gesundheitspolitiker und Ärzte ganz klar sagen: “Das könnt ihr so nicht machen, das funktioniert nicht.” Dafür ist der Austausch wichtig; es ist beidseitig zu sehen. Ich sage immer, wir Jungen können viel Digitales, viel Neues, viel Work-Life-Balance, bringen viele Teilzeiterfahrungen mit, können also vielleicht ein anderes Verständnis für Arbeit und den Beruf des Arztes mit einbringen, aber eben auch für die Umgebung und für die Idee, wie es weitergeht. Die älteren, etablierteren Kolleginnen und Kollegen, können uns einfach mit ihrer Erfahrung, mit ihrer Expertise in durchaus vielschichtigeren, komplizierten Gesundheitssystemen, aber auch mit der Erfahrung hinsichtlich Veränderungen, deutlich auf der anderen Seite unterstützen. 

Das Interview mit Max wurde am 10. Mai 2021 geführt. Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.

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